Bilder, die Geschichte erzählen
OSTDEUTSCHLANDBILDER

 

Informationen zu den Bildern und den Reisen

Die im Folgenden hinterlegten Aufnahmen wurden auf Dia-Film belichtet. Sie wurden also analog und nicht digital aufgenommen. Damit sie hier gezeigt werden können, mussten sie gescannt werden. Die technische Qualität ist daher leider nicht immer ideal, da durch das Scannen einiges der ursprünglichen Qualität der Diapositive verloren geht.  

                              _____________________________                              

Die Fotografien entstanden in den Jahren 2001 bis 2005, jeweils an einigen Mai bzw. September oder Oktober Tagen. Wie bei den anderen Bilderserien , spiegelt auch hier jede einzelne Auswahl gewissermaßen den jeweiligen Reiseverlauf wieder. Je nachdem in welche Region(en) Ostdeutschlands mich meine Reise führte, entstanden entsprechend unterschiedliche Aufnahmen. Ich konnte daher nur das fotografieren, was ich vorfand. Wahrscheinlich sind mir viele andere wunderbare Motive verborgen geblieben, aber das, was ich entdeckte, war jede Reisemühe wert. Dennoch sind die Ergebnisse der Reisen entsprechend auch fotografisch unterschiedlich ergiebig ausgefallen. Auch Faktoren wie Licht, Schatten, Sonnenschein oder auch Bewölkung, Nebel und Regenwetter spielten eine nicht unerhebliche Rolle und hatten entsprechenden Einfluss auf die Bilder.

"Ich fotografierte das, was mir auffiel und was ich entdeckte." 

In diesen ersten Projektjahren ging es schwerpunktmäßig darum, mir ein "eigenes Bild" über den Wandel in Ostdeutschland und von Ostdeutschland an sich, zu machen. Diesem (meinem eigenen) Anspruch gerecht zu werden, war aber nicht so einfach. Wie sollte ich 5 großen Bundesländern,

  • Brandenburg
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Sachsen
  • Sachsen-Anhalt
  • Thüringen
  • plus Ostberlin

also einem im Grunde riesigen, vielfältigen und landschaftlich sehr abwechslungsreichen "Gebiet" gerecht werden? Was wollte ich überhaupt ? Auf jeden Fall wollte ich den Osten Deutschlands kennen lernen. 

Ich entschied mich für das, was für mich machbar war. Ich ließ mich immer wieder aufs Neue auf Ostdeutschland ein. Mich einlassen und mit jeder Reise erneut gespannt zu sein, was mich erwartet. Meine Herangehensweise war daher bewusst nicht "systematisch" gehalten, sondern mit möglichst vielen "Freiheiten" und spontanen "Entscheidungen" verbunden. Möglichst großen Freiraum zu haben und trotzdem einer groben Reiseplanung einigermaßen zu folgen, war daher eine immer wiederkehrende Herausforderung. 

Waren ursprünglich nur wenige Reisen geplant, so stellte sich aber schon bald heraus, dass sich mit jeder weiteren  "Exkursion" für mich eine Fülle von neuen und anderen fotografischen Aspekten und Themen eröffneten. So entstand und entwickelte sich dieses Projekt. Die Ergebnisse spiegeln dies in den Fotogalerien entsprechend wieder. Allerdings stellen sie nur einen kleinen Teil meiner Fotografien und Foto dokumentarischen Arbeit dar. Der weitaus größere Teil der Aufnahmen befindet sich in meinem Archiv und ist gewissermaßen die "fotografische Basis".

Mir ging es Anfangs darum, Ostdeutschland, als eine für mich im Grunde "große unbekannte Region" Deutschlands kennen zu lernen, also gewissermaßen zu "erforschen" und zu entdecken. Trotz meiner eigenen Erinnerungen und Vorstellungen, wollte ich mich möglichst unvoreingenommen auf den Osten Deutschlands einlassen, was aber im Grunde genommen gar nicht möglich ist. Ich nutzte daher bewusst meine Vorstellungskraft, um Spuren verschiedener "Welten" zu folgen, um Veränderungen und Wandel wahrzunehmen. Daher hat mich natürlich auch all das interessiert, was noch an die ehemalige DDR erinnert und wie sich durch den Lauf der Zeit Veränderungen ausgewirkt haben.

                             ______________________________

Die DDR war geschichtlich gesehen nur eine relativ "kurze" Epoche in der langen deutschen Geschichte, aber sie ist dennoch selbstverständlich in den Geschichtsverlauf eingebettet und hat den Osten Deutschlands 4 Jahrzehnte nachhaltig geprägt.  

                              ______________________________

In unserer Gesellschaft geht es sehr schnelllebig zu, alles verändert sich. In Ostdeutschland ist das nicht anders. Hier ist es politisch gesehen sogar erklärtes Ziel. Ostdeutschland soll schon bald (irgendwann) ein vergleichbares Wirtschaftsniveau wie Westdeutschland haben, damit das vereinte Deutschland in allen Landesteilen zumindest annähernd vergleichbare Chancen für die Menschen bietet. Das dies nicht so einfach ist und einen langwierigen Prozess bedeutet, haben wir mittlerweile realisiert. In diesem Zusammenhang seinen die Arbeitslosenstatistiken, aber auch die regionalen Abwanderungs-tendenzen zu erwähnen.  Die augenscheinlichen Unterschiede sind allerdings, je nach Region, Stadt oder Gemeinde, durchaus noch von mehr oder weniger größerer Ausprägung. Manchmal noch von Straße zu Straße oder sogar von Gebäude zu Gebäude zu entdecken.

Auch wenn nach 41- jähriger SED Herrschaft die DDR an sich selber zerbrochen ist, so haben die Menschen in Ostdeutschland in dieser langen Zeit  immer auch versucht für sich das Beste aus ihrer bzw. der Situation zu machen, was absolut legitim ist. Ob es immer richtig war, was Menschen taten, steht auf einem anderen Blatt bzw. hängt sicher auch vom jeweiligen Betrachterstandpunkt ab. Man darf nicht ausser acht lassen, dass die DDR letztendlich die Folge und das erzwungene Ergebnis des 2. Weltkriegs war. Der Westen und der Osten standen sich Jahrzehnte  lang gewissermaßen als "Gegner", ja sogar in mancher Hinsicht als "Feinde", aufgrund verschiedener Weltanschauungen, gegenüber (Stichworte: Nato, Warschauer Pakt und Kalter Krieg, Währungsreform ua.). Die Menschen in Ostdeutschland hatten zumeist keine oder kaum eine Möglichkeit, sich nicht im Sinne des Vorgegebenen zu entscheiden. Viele Menschen mussten leiden. Andere mußten sich zumindest in Acht nehmen, was sie sagen oder wem sie was sagen. Die Stasi hörte gerne mit und handelte offen oder im Verborgenen. Verschleierung und Fehlinformation war leider alltäglich. Es ist damals viel Schlimmes passiert, was nicht ungeschehen gemacht werden kann. Vieles ist ungesühnt geblieben und manches verblasst einfach, wird Geschichte und gerät in Vergessenheit. 

Es sollte uns aber trotzdem allen zu Denken geben und nicht nur den Menschen in Ostdeutschland, dass immer und überall Unrecht geschehen kann. Davor, dass sich in ein gesellschaftliches System negative Tendenzen einschleichen und (fast) unbemerkt das Leben vieler Menschen nachhaltig beeinflussen, kann sich wahrscheinlich kein politisches System wirklich schützen. Freiheitlich demokratische Gesellschaften scheinen aber am ehesten geeignet, sich gewissermaßen "selber zu erkennen" und Wege und Lösungen oder zumindest Lösungsansätze zu finden, wenn der politische und gesellschaftliche Wille dazu da ist.

Das 1989 aufgrund mehr als glücklicher Umstände, aber und vor allem auch Demokratie und Rechtsstaat bekennende Landleute die DDR zur Aufgabe brachten, verdient absoluten Respekt und ist und bleibt ein wichtiger Moment in der deutschen Geschichte (Stichwort: gewaltlose Revolution). Mit der Wiedervereinigung ist vieles auf den Weg gebracht worden, vieles braucht aber noch Zeit und entsprechend große Anstrengungen. Manches verändert sich verhältnismäßig schnell und anderes zieht sich erschreckend lange hin. Viele Menschen in Ost und West sind mittlerweile (oder auch schon länger) durchaus enttäuscht von den jeweils Anderen und sind in ihrer Haltung ernüchtert, ja manchmal sogar zynisch. Die Euphorie und der Einheitswille ist weg oder doch noch nicht?

Wichtig ist aber, nicht zu vergessen, dass Ostdeutschland nicht zufällig in manchen Dingen rückständig und weniger weit entwickelt ist (bzw. war), sondern dass sich dahinter ein langwieriger geschichtlicher Prozess verbirgt, der 40 Jahre lang für viele Menschen tägliche Realität war. Mit der Wiedervereinigung hat sich Deutschland verändert. Wie aber jeder einzelne mit der Veränderung und dem Wandel umgeht, ist noch etwas anderes. Die Unterschiede innerhalb der Landesteile sowie in den Städten und Gemeinden sind aber durchaus (auch heute) noch groß.

Meine Bilder zeigen daher überwiegend Urbanität und die Einwirkung des Menschen, sowie die Auswirkungen durch den Einfluss der Zeit, aber weniger die Menschen an sich.   

Meine Bilder zeigen an mancher Stelle aber auch, dass im Osten Deutschland einige Dinge noch anders gesehen und gehandhabt werden, als in Westdeutschland.

                                                   _____________________________________   

Auf meinen Reisen hatte ich bisher immer wieder das Glück, Spuren der Vergangenheit zu entdecken und Geschichte mit meinen Bildern festzuhalten. Auch wenn viele der Aufnahmen für das Ästhetik verwöhnte Auge zunächst befremdlich oder manchmal sogar abstoßend wirken mögen, so kann ein zweiter oder auch dritter Blick eine neue Sichtweise erschließen, die Einblicke in die jüngere deutsche Geschichte, aber auch das Erfahren von geschichtlichen Zusammenhängen, erlaubt. 

Jede meiner bisherigen Reisen erforderte zwar eine grobe Planung, aber auch kurzfristige, der jeweiligen Situation angemessene Entscheidungen. Mit der Zeit entwickelte sich bei mir eine gewisse Routine und damit verbunden auch eine Art Vertrautheit mit Ostdeutschland, die meine weiteren Entscheidungen immer wieder auch beeinflussten. So stellte sich für mich schon bald heraus, dass z.B. touristisch geprägte Regionen fotografisch eher weniger interessant waren. Ähnlich war es aber auch in stark bewaldeten oder landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen. 

Aber, wer viel mit dem PKW unterwegs ist, kennt und mag (wohlmöglich) auch wie ich solche Zeitabschnitte, in denen man Landschaft und Umgebung einfach an sich vorbeifließen lässt und genießt, während man unterwegs ist. Meine Kurzreisen in den Osten Deutschlands waren daher immer auch ein permanentes "unterwegs sein". Sie waren von der Dauer her zwar nicht sehr lang, aber dafür um so intensiver. Ich empfand bisher jede dieser "Projektreisen" für mich gewissermaßen auch als eine Art "Ausbruch in eine andere Form innerer Freiheit", die die durchaus immensen körperlichen und auch mentalen Anstrengungen wunderbar ausglich. Das intensive Auseinandersetzen mit vielfältigen Eindrücken, mit schier endloser Landschaft und geschichtsträchtiger urbaner Umgebung endete in der Regel erst, wenn das Licht zum Fotografieren nicht mehr reichte und ich mein Übernachtungsquartier aufgesucht hatte. Erst dann ließ meine "innere Anspannung" nach und ich konnte mich auf den "Feierabend" einlassen. 

Je öfter ich durch Ostdeutschland fuhr, desto mehr veränderte sich auch meine Vorstellung über regionale Unterschiede und Landesgrenzen. Ich durchmachte gewissermaßen einen Lernprozess. Mittlerweile nehme ich Ostdeutschland als ganzes, aber auch in seinen Landesteilen wahr.